Karriereturbo berufsbegleitendes Studium – Stimmt das?

Anbieter locken Interessenten eines berufsbegleitenden Studiums oft mit der Aussicht auf einen schnellen Aufstieg nach dem Abschluss. Aber stimmt das? Wir haben recherchiert, inwiefern ein berufsbegleitendes Studium, egal ob Abend- oder Fernstudium, ein Karriereturbo ist.

Wöchentlich bilden sich mehr als 250.000 Arbeitnehmer akademisch im Fern- oder Präsenzstudium berufsbegleitend weiter, davon besuchen rund 100.000 Personen nach dem Job noch für einige Vorlesungen in Hochschulen und Akademien. Einer davon ist Martin Berholt. Nach seinem achtstündigen Arbeitsalltag studiert der 29-Jährige noch berufsbegleitend Betriebswirtschaftslehre. Jeden Dienstag und Donnerstag für jeweils 3 Stunden und jeden Samstag für 6 Stunden. Warum tut er sich diese doppelte Arbeitsbelastung an? “Ohne einen adäquaten akademischen Abschluss ist für mich schon bald die gläserne Decke erreicht”, so Berholt.

Die gläserne Decke – der Punkt, an dem es für ihn keine Aufstiegschancen mehr im Unternehmen gibt – ist auch für viele andere der Grund, neben dem Beruf noch zu studieren. In vielen Unternehmen werden Führungspositionen nur ungern an Mitarbeiter vergeben, die kein Studium vorweisen können. Auch wenn kaum einer das offen zugibt, so ist ein akademischer Titel für die Karriere fast Grundvoraussetzung. Und diesen gilt es für berufsbegleitende Studenten zu erwerben.

Was müssen Interessenten mitbringen, um nebenberuflich studieren zu können? “Egal für welches Studium man sich entscheidet – ohne Ehrgeiz, Disziplin und gutes Zeitmanagement geht es nicht”, sagt Christiane Johst, Mitarbeiterin einer großen Personalberatung. Immer mehr Berufstätige wenden sich an sie mit der Hoffnung, das richtige berufsbegleitende Studium zu finden. Die meisten Interessenten sind zwischen 30 und 45 Jahre alt. Wer sich für ein Studium neben dem Beruf entscheidet, sollte sich über den Arbeitsaufwand im Klaren sein. “15-20 Arbeitsstunden in der Woche muss man schon investieren”, meint Johst. Aber lohnt sich der Aufwand? “Ich kenne viele Studenten und Absolventen, bei denen das Studium der Karriere sehr förderlich war”, so die Personalberaterin.

Berufsbegleitend studieren zahlt sich meistens aus

Mit dieser Erfahrung ist Johst nicht allein. Weil das Wissen aus dem Studium unmittelbar in die Praxis übernommen werden kann, werden erste Erfolge noch während des berufsbegleitenden Studiums sichtbar. “Viele Inhalte aus Vorlesungen wie Marketing oder Controlling kann ich sofort in meinem Job in die Praxis umsetzen”, erzählt BWL-Student Berholt. Erste Anerkennungen durch den Vorgesetzten ließen nicht lange auf sich warten. Viele Firmen honorieren den Wissensdurst ihrer Mitarbeiter und zukünftigen Führungskräfte durch Fördermaßnahmen. Die Palette reicht dabei von Freizeitausgleich bin hin zu finanzieller Unterstützung, wie wir auch in unserem Artikel zur Förderung durch den Arbeitgeber beschreiben.

Und ist der Abschluss geschafft, so hat man bei der nächsten Gehaltsrunde ein großes Ass im Ärmel. Das hat auch eine Studie des Forsa-Instituts ergeben:

Absolventen eines berufsbegleitenden Studiums empfehlen sich zudem durch wichtige Schlüsselqualifikationen. 94 Prozent aller Personalchefs bescheinigen den Absolventen eines nebenberuflichen Studiums hohe Eigenmotivation. Auch Zielstrebigkeit, gute Organisationsfähigkeit und hohe Selbstständigkeit zählen zu den zugeschriebenen Eigenschaften.

Man muss seinem Chef nichts vom Studium sagen

Eine andere Variante als Martin Berholt hat Marius Gartner umgesetzt. Sein berufsbegleitendes Studium zog er im Stillen durch und hielt zum Ende des Studiums nach neuen Jobs Ausschau: “Der Stress hat sich gelohnt. Schon vor der Abgabe meiner Master-Thesis hatte ich einen neuen Arbeitgeber gefunden, der von meinem Ehrgeiz beeindruckt war und mir einen großen Sprung auf der Karriereleiter ermöglichte.”

Harald Mecher, Geschäftsführer der AKAD University, kennt noch weitere Vorteile eines Studiums neben dem Beruf. So können sich nebenberufliche Studierende Praxiszeiten anrechnen lassen und dadurch die Studienzeit verkürzen. Im Gegensatz zu einem Vollzeitstudium erreicht man so schneller seinen akademischen Abschluss.

Auch wenn Arbeiten und Studieren zur gleichen Zeit ein anstrengendes Programm ist, so lohnt sich der Aufwand doch für einen Großteil der Studierenden. Absolventen eines Studiums neben dem Beruf sind auf dem Arbeitsmarkt sehr beliebt, denn sie haben gezeigt, dass sie sich durchbeißen können und Standvermögen haben – dieser persönliche Einsatz wird von den Arbeitgebern hoch geschätzt. Lesen Sie hierzu auch unseren Artikel „Anerkennung eines berufsbegleitenden Studiums“, in dem wir weitere Studien zusammengetragen haben.

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