Bildungsurlaub/ Bildungsfreistellung – Alle Infos auf einen Blick

Für Präsenztage müssen im Fernstudium oft die aufgesparten Urlaubstage herhalten. Eine Alternative bietet der Bildungsurlaub, auch Bildungsfreistellung genannt. Was das ist, welche Regeln in den unterschiedlichen Bundesländern gelten und wie bzw. ob man überhaupt Bildungsurlaub für das berufsbegleitende Studium beantragen kann, haben wir zusammengestellt.

Ein berufsbegleitendes Studium hat es in sich. Während Freunde ihre Freizeit genießen, sitzt man oftmals am Schreibtisch und lernt. Weil sich der Einsatz langfristig lohnt, nehmen viele Teilnehmer von Abend- und Fernstudiengängen den Aufwand gerne in Kauf. Ein Vorteil ist auch die weitgehend freie Zeiteinteilung, lassen sich doch die Phasen des Selbststudiums beliebig in den Tagesplan integrieren.

Etwas anders sieht es bei den festgelegten Präsenzphasen aus: Um zu den Terminen der Bildungsanbieter erscheinen zu können, werden häufig die eigenen Urlaubstage genommen oder unbezahlter Urlaub mit dem Arbeitgeber vereinbart. Das muss nicht immer sein, denn grundsätzlich sieht es das Gesetz vor, dass Arbeitnehmer eine bestimmte Anzahl von bezahlten Arbeitstagen für individuelle Fort- und Weiterbildung nutzen können. Allerdings gibt es hierzu in den einzelnen Bundesländern unterschiedliche Vorgaben, weil das Bildungssystem in Deutschland landesrechtlich geregelt ist und gerade beim Thema Fernstudium und Bildungsurlaub hakt es noch an einigen Stellen.

Überblick zum Bildungsurlaub

Grundlegende Infos zu Bildungsurlaub/ Bildungsfreistellung

Damit Sie sich erstmal einen Überblick verschaffen können:

Wer hat Anspruch?

Sie arbeiten in Bayern oder Sachsen? Dann haben Sie leider Pech, denn diese beiden Bundesländer sind die einzigen, die keinen Bildungsurlaub im Gesetz verankert haben. In allen anderen Bundesländern können in der Regel Arbeitnehmer sowie Auszubildende in der privaten Wirtschaft und im öffentlichen Dienst Bildungsurlaub beantragen. Als Voraussetzung gelten oft eine gewisse Mindestgröße der Firma und eine Mindestdauer des Beschäftigungsverhältnisses. Aber auch hier gilt: Die Bedingungen sind von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich.

Für den Antrag von Bildungsurlaub ist nicht der Wohnsitz maßgeblich, sondern der Sitz des Arbeitgebers. Wenn Sie also z. B. in Aschaffenburg (Bayern) gemeldet sind, sich Ihr Arbeitsplatz aber im nahe gelegenen Hessen befindet, sind diesbezüglich die dortigen Behörden zuständig. In diesem Fall hätten Sie also gesetzlichen Anspruch auf Bildungsurlaub, obwohl die Rechtslage am Wohnort ganz anders aussieht.

Wie lange dauert der Bildungsurlaub?

Normalerweise haben Sie Anspruch auf fünf Tage Bildungsurlaub pro Jahr. In manchen Bundesländern kann man diese jährlichen fünf Tage auch zu zehn Tagen alle zwei Jahre zusammenfassen.

Muss die Weiterbildung zu meinem Beruf passen?

Nein, muss sie nicht. Sie haben eine ziemlich große Auswahl, mit welcher Art von Fortbildung sie ihren Bildungsurlaub füllen wollen. Das können Seminare wie „Coaching als Profession“, „Wer sich wehrt, lebt gesünder - Schlagfertigkeit trainieren“ oder „Fachausbildung Hypnose“ sein. Akademische Studiengänge finden sich leider seltener unter den anerkannten Angeboten.

Bildungsurlaub & Fernstudium – nicht immer ganz einfach

Es gibt zwar dutzende skurrile Weiterbildungen, für die man Bildungsurlaub/ Bildungsfreistellung beantragen kann, aber bei akademischen Fernstudiengängen wird es leider kompliziert. Auch hier muss man sich mühsam durch die Vorgaben der Bundesländer quälen und hat manchmal Pech, dass ein berufsbegleitendes Studium nicht anerkannt wird.

Beispiele:

In den meisten Fällen kann man den Bildungsurlaub auch nur für Präsenzveranstaltungen beantragen und nicht für das Selbststudium zu Hause. In Berlin z.B. heißt es: "Das häusliche Selbstlernen, wie zur Prüfungsvorbereitung oder das Anfertigen von Abschlussarbeiten, sind nicht anerkennungsfähig“ und demzufolge gibt es dafür keine Freistellung. In Hessen sieht die Formulierung so aus: „Darüber hinaus werden Meisterkurse, Praktika, Prüfungsvorbereitungen und Prüfungen sowie komplette Studiengänge ebenfalls nicht als Bildungsurlaub anerkannt. Abschnitte eines berufsbegleitenden Studiums können (sofern sie den Anerkennungsvoraussetzungen der beruflichen Weiterbildung nach dem HBUG entsprechen) nur dann als Bildungsurlaub anerkannt werden, wenn sie allen Personen offen stehen – auch solchen, die nicht an dem jeweiligen Abschluss interessiert sind.“

Wir geben zu: Über den Sinn solcher Aussagen und die Nicht-Anerkennung von Fernstudiengängen lässt sich vortrefflich streiten. Wir sind der Meinung, dass diese Beschränkungen ziemlich rückständig sind und es absolut unverständlich ist, dass ein akademisches Fernstudium nicht überall gefördert wird – im Gegensatz zu einem Kurs wie „Malen und Zeichnen in der Landschaft in Varel an der Nordsee“.

Nicht direkt aufgeben, sondern Antrag stellen

Was kann man also machen, um trotz dieser Bildungsgesetze der Bundesländer Bildungsurlaub bzw. eine Freistellung zu erhalten? Mit dem Chef sprechen! Viele Arbeitgeber unterstützen ihre Mitarbeiter bei einem berufsbegleitenden Studium – siehe auch unser entsprechender Artikel dazu. Zudem sollte man mit der Hochschule sprechen und eine Antrag auf Anerkennung an die zuständige Stelle des Bundesland schicken. Der Versuch kann nicht schaden.

Was sage ich meinem Chef?

Es kann sich durchaus lohnen, eine Anfrage beim Chef zu starten, zumal hierzu auch freiwillige Vereinbarungen getroffen werden können. Entscheidend ist dabei auch der sogenannte „Mindestnutzen“ für den Arbeitgeber: Profitiert auch die Firma vom Wert Ihrer Weiterbildung, haben Sie gute Argumente in der Hand ‒ und die Chancen sind umso größer, dass Sie auch mal bezahlten (oder zur Not unbezahlten) Urlaub erhalten, der kein offizieller Bildungsurlaub ist.

Auf jeden Fall sollten Sie sich vorher bei der von Ihnen präferierten Hochschule informieren. Die Studienberatungen können sehr gut Auskunft geben, ob das mit dem Bildungsurlaub fürs Fernstudium in der Vergangenheit geklappt hat bzw. für welche Bundesländer die Hochschule anerkannt ist.

Wie sieht es in meinem Bundesland aus?

Sämtliche wichtigen Links sind beim Deutschen Weiterbildungsserver zusammengefasst: http://www.iwwb.de/weiterbildung.html?seite=26

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