Berufsbegleitendes Studium (Fernstudium, Abendstudium, etc.) während der Ausbildung

Das Abitur und das erste Ausbildungsjahr sind erfolgreich geschafft. Bei vielen Azubis kommt dann der Gedanke an ein berufsbegleitendes Studium während der Ausbildung. Darf ich das überhaupt? Schaffe ich das auch? Das sind nur zwei von vielen Fragen, die in Online-Foren immer wieder gestellt werden. Abendstudium oder Fernstudium während der Ausbildung – im Nachfolgenden geben wir einen Überblick über die Chancen und Risiken.

Warum überhaupt ein Fernstudium während der Ausbildung machen? Schließlich hat man ja auch so eine sehr solide Qualifizierung. Ein Grund ist, dass die Anforderungen von Unternehmen an ihre Mitarbeiter immer höher werden. Wurden bestimmte administrative Stellen vor einem Jahrzehnt noch speziell für Personen mit einer abgeschlossenen Ausbildung ausgeschrieben, so richten sich die Stellenanzeigen heute oft auch an Studienabsolventen. Die Konkurrenz um die Jobs wird also größer.

Wer sich nach der Schule für eine Ausbildung entschieden hat, muss aber nicht das Nachsehen haben – ein berufsbegleitendes Studium während der Ausbildung macht es möglich, mit zwei Titeln auftrumpfen zu können. Teilweise bieten die Firmen ihren Azubis sogar solche Möglichkeiten als Maßnahme zur Personalentwicklung an. Dies läuft dann als berufsintegrierendes Studium ähnlich ab wie ein duales Studium.

Während der Ausbildung nebenberuflich studieren

Diese Studienmöglichkeiten gibt es

Prinzipiell hast du zwei Optionen:

1.) Abend-/ Fernstudium unabhängig vom Arbeitgeber

Wenn du nicht möchtest, dass dein Chef weiß, dass du neben der Ausbildung studierst, kannst du ein Abend- oder Fernstudium in Eigenregie aufnehmen. Das geht quasi bei jeder Hochschule, die in unserer Hochschuldatenbank vertreten ist. Zwar empfehlen wir immer, die Firma von einem berufsbegleitenden Studium zu informieren (z.B. um Unterstützung zu erhalten), aber wer sich umorientieren möchte und daher ein Studium absolviert, das wenig mit der Ausbildung zu tun hat, sollte beim Chef vielleicht keine schlafenden Hunde wecken.

2.) Berufsintegrierendes Studium in Absprache mit Arbeitgeber

Ein berufsintegrierendes Studium ist sehr ähnlich wie ein duales Studium aufgebaut, nur dass du halt nicht von Anfang der Ausbildung an studierst, sondern erst gegen Mitte/ Ende der Ausbildung oder sogar danach, wenn du vom Azubi zum normalen Mitarbeiter geworden bist. Bei einem berufsintegrierenden Studium neben der Ausbildung erhältst du Unterstützung vom Arbeitgeber, indem du z.B. für mehrere Wochen zum Studieren freigestellt wirst oder an bestimmten Tagen früher gehen kannst, um pünktlich in der Uni/ FH zu sein.

Was und wo kann ich neben der Ausbildung studieren?

Kurze Antwort: Eigentlich jeden Studiengang mit Bachelor-Abschluss. Man kann entweder ein Abend- oder ein Fernstudium neben der Ausbildung machen, je nachdem, was einem besser liegt. Einen Überblick dieser Studienformen mit Vor- und Nachteilen findest du hier bei uns. Um das passende Studium zu finden, schau einfach in unsere Hochschuldatenbank.

Die Entscheidung, neben der Ausbildung zu studieren, sollte sehr gut überlegt sein. Schließlich setzt man sich für mehrere Jahre doppeltem Lernstress mit sehr wenig Freizeit aus. Für Personen, die schnell überfordert sind, ist daher zu empfehlen, sich erst auf die Ausbildung zu konzentrieren und danach im Berufsleben zu studieren. Oder nach der Ausbildung doch noch ein “normales” Vollzeitstudium zu absolvieren. Das machen jährliche tausende (ehemalige) Azubis. Man ist mit Abschluss einer Ausbildung keineswegs “zu alt” für ein Studium und kann sich dadurch auch akademisch weiterbilden und für zukünftige Jobs empfehlen.

Manche Arbeitgeber ziehen auch Bewerber, die sowohl über eine abgeschlossene Ausbildung als auch ein Studium verfügen, den Bewerbern mit “nur” Studienabschluss vor. Grund ist, dass ehemalige Azubis schon richtige Berufserfahrung vorweisen können und z.B. souveräner im Umgang mit Kunden sind.

Bei der Überlegung, ob ein solches Studium während der Ausbildung für dich in Frage kommt, solltest du folgende Chancen & Risiken bzw. Vorteile & Nachteile bedenken:

Chancen & Vorteile

Die sicherlich größte Chance ist der hohe Wissensstand, den man nach erfolgreichem Abschluss beider Lernabschnitte erreicht hat. Sehr wahrscheinlich wird man zwar nicht mit Ende der Ausbildungszeit auch den akademischen Abschluss in der Tasche haben, aber der (zukünftige) Arbeitgeber wird den Aufwand und damit verbundenen Ehrgeiz zu schätzen wissen. Viele Arbeitgeber honorieren erfolgreich beendete berufsbegleitende Studiengänge auch mit Gehaltserhöhungen – darauf muss man dann nicht mehr so lange warten, wenn man schon während der Ausbildung ein Teilzeitstudium begonnen und auch zielstrebig durchgezogen hat.

Ein anderer Vorteil: Wer eine Ausbildung absolviert hat und nicht übernommen wurde, der hat mit einem berufsbegleitenden Studium zudem einen großen Vorteil gegenüber anderen ehemaligen Azubis. Der zukünftig erreichte akademische Grad kann durchaus den Unterschied machen, wenn es um den neuen Job geht.

Ein weiterer Vorteil ist, dass es bei thematisch passenden Studiengängen durchaus auch Überschneidungen bei den Lerninhalten geben kann. Unterricht bzw. Vorlesungen im Bereich Rechnungswesen beispielsweise. So kann der hohe Lernaufwand ein Stück weit gedämpft werden. Hat man die Ausbildung nach der Schule direkt begonnen und dann auch zügig ein berufsbegleitendes Studium neben der Ausbildung durchgezogen, kann man schon mit Mitte 20 zwei abgeschlossene „Bildungsstationen“ vorweisen. Das schaffen nicht viele und dies bedeutet gute Voraussetzungen für eine erfolgreiche Karriere. Denn Praxiserfahrung durch die Ausbildung und akademisches/ theoretisches Wissen durch das Studium kommen beim Arbeitgeber immer gut an.

Risiken & Nachteile

Generell gilt auch hier natürlich, was immer bei einem berufsbegleitenden Studium zu bedenken ist: Ein Studium während der Ausbildung erfordert Disziplin, Durchhaltevermögen und auch eine gute Portion Leidensfähigkeit. Im Endeffekt wird man mit den oben beschriebenen Vorteilen belohnt, aber erstmal ist es harte Arbeit. Man sollte sich bewusst sein, dass Freizeit für einen bestimmten Zeitraum keinen großen Stellenwert mehr im Leben einnimmt. Tagsüber arbeiten und abends für Berufsschule und das Fernstudium lernen – da sind 60-Stunden-Wochen angesagt.

Was man auch beachten sollte: Ein Abendstudium/ Fernstudium während der Ausbildung ist etwas anderes als ein Studium neben dem „normalen“ Beruf. In der Ausbildungszeit wirst du zwei Lernbereiche gleichzeitig haben – einmal die Inhalte aus der Berufsschule und einmal die Inhalte der Studienfächer. Wenn man Pech hat und die Prüfungstermine fallen in einen eng beieinander liegenden Zeitraum, dann könnte es zu Schwierigkeiten mit der Kapazität der grauen Zellen kommen. Wenn man in verschiedenen Fächern Dinge auswendig lernen muss, kann das bei einer begrenzten Auffassungsgabe natürlich zu Problemen führen. Das wiederum würde dann schlechte Noten für Ausbildung und Studium bedeuten, was sicherlich der späteren Karriere auch nicht nur zuträglich ist.

Sag ich´s meinem Chef?

Ein Studium neben der Ausbildung ist meistens nicht anmeldepflichtig, d.h. man kann es dem ausbildenden Betrieb verschweigen. Die Frage ist, ob dies sinnvoll ist, weil man evtl. für Präsenzveranstaltungen oder als Vorbereitung für Klausuren auch schon mal Urlaub nehmen muss. Wenn dann gerad eine Urlaubssperre ist und man keine Sondergenehmigung bekommt, wäre dies nicht gerade vorteilhaft. Und vielleicht kann man ja auch Unterstützung vom Arbeitgeber erhalten. Das Risiko ist aber natürlich auch, dass man umso argwöhnischer beobachtet wird, ob man denn trotz des Studiums neben der Ausbildung auch weiterhin seinen Arbeitsaufträgen nachkommt.

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