Finanzierung des berufsbegleitenden Studiums: Das sind die Optionen

Die meisten Angebote zum Studium neben dem Beruf sind kostenpflichtig – und das in nicht unerheblichem Maße. Eine der wichtigsten Fragen bei der Studienwahl ist daher natürlich die Frage nach der Finanzierbarkeit. Einen Teil der Kosten kann man wahrscheinlich durch das laufende Gehalt finanzieren, aber wie sieht es mit weiteren Förderungsmöglichkeiten aus? Wir haben Ihnen alle Möglichkeiten der Studienfinanzierung zusammengestellt.

Es ist leider gar nicht so einfach, eine finanzielle Unterstützung für ein berufsbegleitendes Studium zu erhalten. Es gibt wenige Stipendien für ein Fernstudium oder Abendstudium, die meisten finanzieren die Studiengebühren und weiteren Kosten aus eigener Tasche, durch Unterstützung des Arbeitgebers oder der Familie.

Nicht direkt, aber immerhin dann später kommt auch die steuerliche Absetzbarkeit zum Tragen und man kann die Erstattungen vom Finanzamt wieder reinvestieren in Studiengebühren & Co. Nachfolgend finden Sie einen Überblick der Finanzierungsformen.

Die verschiedenen Optionen zur Finanzierung

Finanzierung für Fernstudium, Abendstudium und Co.

Es gibt die unterschiedlichsten Formen der Finanzierung. Manche sind naheliegend und einfacher zu erhalten, manche erfordern recht hohen Aufwand.

  • Eigenes Einkommen & Ersparnisse

    Eigentlich fast nicht erwähnenswert, da es so naheliegt und daher nur in aller Kürze: Sicherlich wird jeder, der das Studium wirklich nebenberuflich absolviert (und nicht z.B. aus der Arbeitslosigkeit oder Elternzeit heraus) einen Teil des monatlichen Gehalts und verfügbare Ersparnisse in die Studiengebühren stecken. Ob Einkommen und Gespartes für die gesamten Kosten reichen, liegt zum einen an der persönlichen Gehaltsstufe und zum anderen an der gewählten Hochschule. An der Fernuni Hagen muss man zur Gesamtfinanzierung nur knapp 2.000 Euro aufwenden, an privaten Hochschulen sind es hingegen meist 12.000 - 15.000 Euro.

  • Konsumverzicht

    Viele berufsbegleitende Studierende behaupten ironisch, seit sie mit dem Studium angefangen hätten, haben sie gar keine Zeit mehr, um ihr Geld auszugeben. Dann kommt der Konsumverzicht sozusagen von ganz allein.

    Bei wem die Finanzierung wirklich auf Kante genäht ist, der sollte sich überlegen, ob es nicht ein günstigeres Fitnessstudio gibt oder man doch etwas seltener ins Kino geht.

  • Zuschüsse/ Sponsoring von der Familie

    Die eigenen Eltern und überhaupt die gesamte Familie sind meist der erste Ansprechpartner, wenn es um Unterstützung zum Studium geht. Inwieweit die familiäre Förderung reicht, ist hingegen individuell verschieden. Denkbar sind ganz unterschiedliche Varianten: Von einem Vorschuss auf das Erbe (heikel, aber eigentlich eine sehr gute Investition) bis hin zur Unterstützung in Form einer kleinen (monatlichen) Finanzspritze.

  • Finanzierung durch den Arbeitgeber

    Viele Arbeitgeber sehen es positiv, wenn sich ihre Mitarbeiter berufsbegleitend weiterbilden. Denn das neu erworbene und erweiterte Wissen kommt dem Unternehmen auch direkt wieder zu Gute (siehe unser Artikel dazu). Aus diesem Grund gibt es oft Unterstützung. Um zu erfahren, welche Formen der Unterstützung Ihr Arbeitgeber anbietet, ist ein Gespräch mit dem Vorgesetzten bzw. der Personalabteilung hilfreich.

    Mögliche Beispiele sind:

    • Freizeitunterstützung in Form von Bildungsurlaub bzw. Sonderurlaub
    • Eine jährliche Pauschale als finanzielle Unterstützung
    • Angepasste Arbeitszeitenregelung
    • Erstattung eines Teils bzw. der kompletten Kosten des Studiums nach dem erfolgreichen Abschluss

    Sie sollten sich zudem auch genau informieren, was mit evtl. gezahlten Geldern des Arbeitgebers bei einem Abbruch des Studiums passiert. Wir haben übrigens auch Tipps, wie Sie den Arbeitgeber von einem Zuschuss überzeugen, zusammengestellt.

  • Studienkosten steuerlich geltend machen

    Keine direkte Studienfinanzierung, aber Pflicht für jeden, der berufsbegleitend studieren will: Ziehen Sie die Kosten von Ihrer Steuer ab, und zwar als Werbungskosten. Dies gilt, wenn von dem Studium ein Nutzen, z.B. bessere Aufstiegschancen, erwartet werden können. Dabei ist es keine Pflicht, dass die Weiterbildung in Ihrem derzeitigen Berufsfeld stattfindet. Kosten, die abgesetzt werden können, sind Studiengebühren, Bücher, Fachzeitschriften sowie evtl. anfallende Fahrt- und Übernachtungskosten.

    Die genauen steuerlichen Infos haben wir hier im Artikel „Berufsbegleitendes Studium von der Steuer absetzen” erläutert.

  • Förderung vom Staat

    Wussten Sie, dass die Finanzierung für ein berufsbegleitendes Studium auch über ein staatliches Stipendium gelingen kann? Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gewährt qualifizierten Absolventinnen und Absolventen einer Berufsausbildung unter 25 Jahren (+ evtl., je nach Anrechnung, drei weitere Jahre) ein Weiterbildungsstipendium mit einer Förderung bis zu 7.200 Euro innerhalb von drei Jahren. Weitere Informationen finden Sie unter www.weiterbildungsstipendium.de.

    An berufserfahrene Personen richtet sich eine weitere Studienförderung des BMBF - das Aufstiegsstipendium. Wer berufsbegleitend studiert, kann mit 2.400 Euro pro Jahr gefördert werden. Voraussetzungen für die Bewerbung sind unter anderem eine abgeschlossene Berufsausbildung oder Aufstiegsfortbildung sowie Berufserfahrung von mindestens zwei Jahren. Informationen finden Sie unter www.aufstiegsstipendium.de.

    Eine weitere Möglichkeit, um ein Fernstudium finanzieren zu können, ist die Bildungsprämie. Sie unterstützt erwerbstätige Frauen und Männer mit einem Einkommen bis 20.000 Euro (40.000 bei Verheirateten) mit dem Prämiengutschein – oder dem Bildungssparen. Infos gibt es unter http://www.bildungspraemie.info.

  • Förderung der Bundesländer

    Die Bundesländer haben auch unterschiedlichste Förderungen etabliert, die bei der Finanzierung eines berufsbegleitenden Studiums helfen. Hamburg bezuschusst beispielsweise mit dem Weiterbildungsbonus zwischen 50 und 100 Prozent der Fortbildungskosten bis maximal 2.000 Euro im Jahr. Berechtigt sind geringqualifizierte oder ungelernte Beschäftigte und Selbstständige sowie Personen mit Migrationshintergrund, Auszubildende, Alleinerziehende und Beschäftigte in Elternzeit.

  • Stipendien

    Das Deutschland-Stipendium ist eine Form der Förderung durch private Sponsoren und die öffentliche Hand. Es ist auch für Studierende im Fernstudium oder anderweitig organisierten berufsbegleitenden Studium zugänglich. Die 300 Euro monatliche Unterstützung werden für ein Jahr gezahlt. Danach ist eine Neubewerbung um ein weiteres Jahr möglich. Die Fernuni Hagen vergibt beispielsweise das Deutschland-Stipendium an 15 Studierende, die HFH Hamburger Fernhochschule an fünf. Viele weitere Hochschulen mit berufsbegleitenden Präsenz- oder Fernstudiengängen sind ebenfalls dabei.

    Weiterhin sollte man sich gezielt bei den für ein berufsbegleitendes Studium in Frage kommenden Hochschulen erkundigen. Die IUBH vergibt z.B. Stipendien als Vollstipendien oder bei entsprechender Bewerberlage und Eignung auch als Teilstipendien zu 25%, 50% oder 75% vergeben werden. Die SRH Fernhochschule Riedlingen übernimmt ebenfalls die gesamten Studiengebühren sowie eine monatliche Pauschale für Literatur- und Reisekosten.

    Manchmal haben Hochschulen auch exklusive Vereinbarungen mit Stiftungen geschlossen. So fördert die gemeinnützige, private Rudolf Helfrich-Stiftung Bildung und Beruf jedes Semester fünf Stipendien für ein Studium an der Hamburger Fernhochschule (Studiengebühren, Prüfungskosten) bis zu einer Förderdauer von zehn Semestern und einer Höchstgrenze von fünfzig Stipendiatinnen und Stipendiaten. Förderantragsberechtigt sind junge Erwachsene zwischen 18 und 35 Jahren – vorzugsweise, aber nicht ausschließlich – mit Migrationshintergrund, welche nicht über die finanziellen Mittel verfügen, ein Studium an der Hamburger Fern-Hochschule finanzieren zu können.

  • Studienkredit

    Wenn die oben genannten Möglichkeiten nicht in Frage kommen bzw. nicht ausreichen, um das berufsbegleitende Studium zu finanzieren, dann kommt vielleicht ein Studienkredit in Frage. Der Markt für Studienkredite ist in den letzten Jahren kontinuierlich gewachsen und man sollte sich auf jeden Fall gut informieren und verschiedene Angebote vergleichen, da die Modalitäten sehr stark variieren.

    Förderung speziell für Berufstätige bietet beispielsweise der Festo Bildungsfonds. Auch die staatliche KfW Bank kann in Frage kommen, wenn man unter 44 Jahren auf dem Lebenskonto hat. Ein weiterer Anbieter ist z.B. die Deutsche Bildung. Einen sehr guten Gesamtüberblick bietet der stetig aktualisierte CHE Studienkredit Test.

  • BAföG / Meister-BAföG

    Diese beiden Möglichkeiten haben wir nur der Vollständigkeit halber aufgenommen. Da man für den Anspruch auf BAföG u.a. keine abgeschlossene Ausbildung, kein Vermögen über 5.200 Euro (es zählen z.B. auch PKW) und keinen Monatsverdienst über rund 407 Euro haben darf, kommen Berufstätige hierfür wohl kaum in Betracht. Das Meister-BAföG gibt es nicht für akademische Weiterbildungen, sondern “nur” für zugelassene Lehrgänge.

Wie machen das die anderen?

Mehrere Umfragen haben sich dem Thema Studienfinanzierung schon genähert. Eines der aussagekräftigsten Ergebnisse bezieht sich auf die Fernstudium Finanzierung und wurde im Forum von Fernstudium-Infos.de durchgeführt. 344 Personen haben teilgenommen:

In dem zugehörigen Forum wird auch eifrig darüber diskutiert. Typische Erfahrungsberichte sind:

„Punkt 1 in meiner Finanzierung ist der direkte Einbezug der Steuererleichterung - durch den Freibetrag in Höhe der Studiengebühren erhalte ich somit gleich 30% der Studiengebühren mehr ausbezahlt. Die restlichen 160 EUR finanziere ich durch Sparen - zudem habe ich in der Zeit des Studiums meine Sparraten (die flexibel sind) heruntergefahren. Ein Check der regelmäßigen Ausgaben (Versicherung, Internet, Telefon, Stromanbieter, usw.) hat auch nochmals 20 EUR jeden Monat gebracht. Schlussendlich stehe ich aktuell sogar besser da als vor dem Studium - da ich weniger Zeit habe Dinge zu konsumieren. Man geht weniger Essen, weniger ins Kino, weniger Shoppen - somit hatte ich nach nur 6 Monaten Studium beinahe wieder so viel Geld zur Verfügung wie vorher. Die sonstigen Kosten (Fahrtkosten, Bahn, Bücher, Material) finanziere ich demnach ganz normal über mein verfügbares Einkommen.“

„Ich finanziere das Studium auch über mein normales Einkommen, allerdings mit zusätzlichem Konsumverzicht. Meine Sparquote geht gegen 0, d.h. wenn ich in 3,5 Jahren etwa 16.000 Euro zum Studieren brauche, würde das auch ungefähr dem entsprechen, was ich in der Zeit maximal gespart hätte. Ist nicht so als würde ich am Hungerknochen nagen, denn auf Urlaub verzichte ich schließlich immer noch nicht, aber Kalkulationen, wo ich wie noch ein paar Euro weniger Ausgaben haben könnte, finden kontinuierlich statt.“

„Ich hatte das Glück, dass mir der Arbeitgeber die Hälfte der anfallenden Studiengebühren bezahlt hat. Die andere Hälfte hab ich aus meinem Einkommen bestritten.“

 

Weitere Informationen von Hochschulen

Da das Thema Finanzierung natürlich sehr wichtig ist für die Studienwahl, haben verschiedene Hochschulen auch ausführliche PDF-Dateien zusammengestellt:

Ratgeber der Stiftung Warentest

Auch die Stiftung Warentest hat einen Ratgeber herausgebracht. Der Leitfaden Weiterbildung finanzieren kann kostenlos heruntergeladen werden.

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