Unterstützung vom Arbeitgeber:
Welche Möglichkeiten gibt es?

Eine der wichtigsten Fragen vor Aufnahme eines berufsbegleitenden Studiums ist die nach der Unterstützung durch den Arbeitgeber. Welche Sonderleistungen kann ich einfordern? Muss mein Arbeitgeber mich überhaupt unterstützen? Besteht die Möglichkeit finanzieller Förderung? Wir listen potenzielle Unterstützungsoptionen auf und haben Erfahrungen von Studierenden gesammelt.

Der Hauptgrund, weshalb sich Weiterbildungswillige gegen ein Studium neben dem Beruf entscheiden, ist wohl die befürchtete Doppelbelastung von Arbeit und Studium. Viele wünschen sich, dass der Arbeitgeber die Bemühungen in irgendeiner Form unterstützt und vielleicht auch zusätzliche Lernanreize bietet.

Damit Sie sich einen Überblick verschaffen können, welche Modelle es in der Praxis gibt, haben wir nachfolgend eine Liste mit den meistgewährten Unterstützungen zusammengestellt. Wir haben dazu Erfahrungswerte von ehemaligen und derzeitigen berufsbegleitenden Studierenden sowie Auskünfte von Arbeitgebern herangezogen. Für alle, die überlegen, ihrem Chef vom geplanten Teilzeitstudium zu erzählen und nach Unterstützung zu fragen, sind die folgenden Praxiswerte sicherlich hilfreich.

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Vollzeit arbeiten und studieren

So unterstützen Chefs ein berufsbegleitendes Studium

Umfrage: Typische Unterstützungen vom Arbeitgeber

Die Trendstudie Fernstudium der IUBH hat vier Bereiche ausgemacht, in denen nebenberufliche Studierende von ihrer Firma gefördert werden:

Die Grafik zeigt, dass die Hälfte aller befragten Arbeitgeber die nebenberuflich Studierenden in organisatorischen Belangen unterstützt. Weitere genannte Möglichkeiten sind zeitliche (43 Prozent) und finanzielle (39 Prozent) Unterstützung sowie gute Entwicklungsperspektiven, welche 23 Prozent der Arbeitgeber bieten.

Zusätzlicher Urlaub und Sonderurlaub

Eine der meistgenutzten Formen der organisatorischen Unterstützung durch die beschäftigende Firma: Sonderurlaub für den Besuch von Präsenzveranstaltungen oder für die Vorbereitung auf besonders wichtige und zeitintensive Prüfungen wird oft von Arbeitgebern angeboten. Auch sollte man sich mal über die Möglichkeiten des Bildungsurlaubs informieren.

Daneben gibt es potenzielle Vereinbarungen, dass man bevorzugt Urlaub erhält oder der Urlaubsantrag trotz Sperrzeiten unterschrieben wird.

  • Erfahrungsberichte

    „Ich bekomme drei Tage Sonderurlaub im Jahr für Prüfungen sowie für ein bestandenes Semester eine einmalige Sonderzahlung.“

    „Ich hatte einen Fördervertrag mit einigen Tagen Sonderurlaub und auch einer kleinen finanziellen Beteiligung nach erfolgreichem Abschluss des Fernstudiums.“

    „Ich werde zwar leider nicht finanziell unterstützt, aber Sonderurlaub bei Präsenzphasen/ Prüfungen sowie jegliche Hilfe im Studium bezüglich Projekten, Diplomarbeit usw. wurde mir zugesichert.“ 

Flexible Arbeitszeitregelung

Arbeitgeber, die die Arbeitszeit mit Stechuhr und Zeitkonten festhalten, drücken schon mal ein Auge zu, wenn man mit dem Zeitkonto ins Minus gerät. Vorausgesetzt natürlich, man zeigt, dass man das Minus recht schnell wieder nacharbeiten kann.

Andere Varianten: Die wöchentliche Arbeitszeit wird um ein paar Stunden reduziert, die man dann auf das Studium verwenden soll. Oder man erhält die Genehmigung, statt an fünf Tagen in der Woche insgesamt 40 Stunden zu arbeiten, diese Stundenanzahl in vier Tagen abzuarbeiten und den dann „freigearbeiteten“ Tag zu Hause vor den Büchern verbringen zu können.

  • Erfahrungsberichte

    „Ich persönlich habe keinerlei finanzielle Unterstützung erhalten. Des Weiteren habe ich auch keine extra Urlaubstage oder ähnliches bekommen. Die Unterstützung durch den Arbeitgeber lief bei mir so ab, dass ich immer bevorzugt Urlaub bekam, um meine Klausuren gescheit planen zu können.“

    „Ich kann mir die Arbeitszeit flexibel einteilen. Die 40 Arbeitsstunden pro Woche mache ich von Montag bis Donnerstag und habe dann am Freitag frei zum Studieren.“

Finanzielle Unterstützung zur Studienzeit

Hier gibt es unterschiedliche Modelle. Berufsbegleitende Studierende berichten, dass der Arbeitgeber einen prozentualen Anteil der Studiengebühren oder nach Vorlage der entsprechenden Quittungen einen gewissen Betrag für Lernunterlagen und -materialien übernimmt.

Finanzielle Unterstützung durch Erfolgsprämie

Auch das kann motivieren: Einige Arbeitgeber zahlen je nach Note nach der erfolgreichen Abschlussprüfung eine Art Erfolgsprämie. Diese kann laut unserer Erfahrung auch schon mal bis zu 1.000 Euro pro Studienjahr betragen. Bei vier Studienjahren, also sieben oder acht Semestern, kommen da auch lohnenswerte Summen zusammen.

Eine sinnvolle Kombination besteht bei finanzieller Unterstützung des berufsbegleitenden Studiums aus Gehaltsverzicht und Zuschuss des Arbeitgebers. Der (Brutto-)Gehaltsverzicht hat mehrere Vorteile für den Arbeitgeber:

  • Weniger Sozialabgaben, da kleineres Gehalt.
  • Man signalisiert, dass man auch bereit ist, was für das Studium zu tun.
  • Der Arbeitgeber kann die Kosten zu 100 Prozent als Investition abschreiben.

Eigener Vorteil:

  • Kleiner Netto-Verlust, da man Brutto verzichtet und entsprechend in eine andere Lohnsteuerklasse rutscht, wenn man Glück hat.
  • Erfahrungsberichte

    „Mein Arbeitgeber zahlt mir pro Kalenderjahr einen Zuschuss von 400 Euro, sofern ich entsprechende Kosten nachweise (Gebühren, Lernmaterial, Fahrten usw.). Das ist natürlich mit zwei Monats-Beiträgen schon ausgeschöpft, aber immerhin.“

    „Mein Arbeitgeber übernimmt einen großen Teil der Kosten, verpflichtet mich aber dazu, für drei Jahre nach Ende des Studiums in der Firma zu bleiben.“

    „Mein neuer Arbeitgeber ist sehr aufgeschlossen in Sachen Weiterbildung/ Fernstudium und hat sich gleich im Arbeitsvertrag verpflichtet, beim erfolgreichen Abschluss des Studiums alle Studiengebühren, die während meiner Beschäftigung anfallen, nachträglich zu erstatten, wenn ich mich zwei Jahre ans Unternehmen binde.“

Neue Aufgaben in Aussicht stellen

Wenn die Firma sich nicht direkt am Studium beteiligen, aber den Mitarbeiter dennoch motivieren möchte, kann sie auch neue Aufgaben bzw. Beförderungen in Aussicht stellen. Manchmal werden erste Schritte auf der Karriereleiter schon ab der Hälfte des Studiums in Angriff genommen und man kann sich dann mit neuem Know-how beweisen.

Was verlangen Arbeitgeber als Gegenleistung?

In manchen Fällen, Sie haben es sicherlich oben in den Erfahrungsberichten schon gelesen, möchte der Arbeitgeber für die Unterstützung(en) eine Gegenleistung. Hier sollte man sich überlegen, welche Verpflichtungen man wirklich eingehen will. In Foren liest man unter anderem von dem Wunsch des Arbeitgebers, dass man nach dem Abschluss noch mindestens drei Jahre weiter im Unternehmen arbeitet. Dies ist für den Arbeitnehmer natürlich ein nicht gerade kurzer Zeitraum, allerdings kann man die Idee dahinter verstehen: Wenn ich mich als Arbeitgeber an der Fortbildung meiner Mitarbeiter beteilige, möchte ich nicht, dass sie nach dem von mir geförderten Studienabschluss bei der Konkurrenz anfangen.

Außerdem verlangt der Arbeitgeber bei finanzieller Unterstützung auch, dass das Studium erfolgreich und zügig absolviert wird. Es kann Vereinbarungen geben, dass man bei einem Abbruch aus persönlichen Gründen den bisher vom Arbeitgeber bezuschussten Betrag zurückzahlen muss.

Generell gilt: Die Unterstützung ist eigentlich von Unternehmen zu Unternehmen anders geregelt. Wer offen mit seinem Chef spricht, die Vorteile des berufsbegleitenden Studiums für die Firma klar formulieren kann und auch in der Vergangenheit durch zuverlässigen und engagierten Arbeitseinsatz positiv aufgefallen ist, sollte sich aber eigentlich immer auf irgendeine Form der Beihilfe einigen können.

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