Zeitaufwand für das Fernstudium
Wie lange werde ich täglich am Schreibtisch sitzen? Wann werde ich meinen Abschluss in der Tasche haben? Fragen wie diese beschäftigen einen bei der Planung des Fernstudiums besonders. Die Antworten können sehr unterschiedlich ausfallen und lassen sich am besten mit gesunder Selbsteinschätzung finden.
Persönliche Voraussetzungen
Wie viel Lernzeit für den erfolgeichen Abschluss erforderlich ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab: Wer einschlägige Vorkenntnisse und Erfahrungen mitbringt, wird sich schneller in die Studieninhalte einfinden können als eine Person, die Neuland betritt. Dabei ist auch entscheidend, wie lange man bereits aus dem Lernen „raus“ ist. Eine Außenhandelskauffrau, die nahtlos mit einem BWL-Fernstudium anknüpft, hat es vermutlich leichter als ein Koch, der sich nach vielen Berufsjahren an den Schreibtisch setzt, um Politik- und Verwaltungswissenschaften zu studieren. Bei alledem spielen jedoch persönliche Fähigkeiten und Zielstrebigkeit eine Rolle. Manchen Menschen fällt das Lernen grundsätzlich leichter als anderen, dem einen genügt vielleicht ein durchschnittlicher Abschluss, während der andere als Lehrgangsbester abschneiden möchte. Hinzu kommt, dass manche Studiengänge aufwendiger sind als andere und die Struktur variieren kann (z. B. Anzahl und Dauer der Präsenzphasen).
Ein ungefährer Richtwert
Wenn auch übergreifend oft vom „Fernstudium“ die Rede ist, muss man unterscheiden zwischen dem Studium im wörtlichen Sinne, das in einen Hochschulabschluss mündet, und anderen weiterqualifizierenden Kursen. Ein umfassendes Studium ist normalerweise aufwendiger als andere Bildungsmaßnahmen. Es beinhaltet meist einen gestaffelten Zeitplan mit verschiedenen Prüfungen. Eine nicht-akademische Weiterbildung wiederum bereitet die Teilnehmer oft auf eine einzige Prüfung vor.
Die Angaben verschiedener Anbieter von Fernstudiengängen ergeben einen Richtwert. Demnach nimmt ein akademisches Fernstudium etwa 15-20 Wochenstunden in Anspruch, während man für eine nicht-akademische Weiterbildung rund ein Viertel weniger Zeit benötigt (10 bis 15 Wochenstunden). Es werden aber auch Kurse mit deutlich geringerem Zeitaufwand angeboten, zum Beispiel mit „sechs Stunden Lernzeit pro Woche“. Inwieweit diese Werte genau zutreffen, zeigt sich oft erst in der Praxis.
Die Gesamtdauer des Fernstudiums
Weil die Kursformate, Inhalte und Abschlüsse so unterschiedlich sind, kann ein Fernstudium sehr kurz sein (z. B. vier Monate bei einer nicht-akademischen Fortbildung) oder sich über mehrere Jahre ziehen (akademische Bachelor- und Master-Studiengänge). Da Berufstätigen weniger tägliche Lernzeit zur Verfügung steht, dauert das Fernstudium oftmals länger als ein vergleichbares Präsenzstudium. Um z. B. einen Bachelor-Abschluss an einer Hochschule zu erwerben, sind in der Regel mindestens sechs Semester Zeitaufwand erforderlich, also drei Studienjahre. Bei einem Fernstudium können vier Jahre realistischer sein.
Die tatsächliche Dauer hängt stark von der individuellen Situation ab. Jeder Teilnehmer kann sie durch intensives Lernen verkürzen oder durch mangelhafte Organisation das Gefühl haben nie fertig zu werden. Manche Bildungseinrichtungen bieten parallel zur regulären Studienzeit eine straffe Variante an, die mitunter weniger kostet, dafür aber mehr Einsatz in kürzerer Zeit erfordert.
Gibt es eine Regelstudienzeit?
Ein akademisches Fernstudium ist im Normalfall hinsichtlich Inhalt und Abschluss mit dem entsprechenden Präsenzstudium vergleichbar. Dies gilt auch für die Regelstudienzeit, die meist bei den Ausschreibungsinformationen mit angegeben wird. Bei manchen Fernhochschulen gibt es auch einen festgelegten Studienbeginn (z. B. jeweils zum Wintersemester), andere werben damit, dass man „jederzeit starten“ kann. Bei nicht-akademischen Fernlehrgängen ist der flexible Kursbeginn eher die Regel, die Dauer des Studiums ist jedoch meist ebenfalls vorgegeben. Doch egal, für welches Format Sie sich entscheiden: Viele Anbieter haben sich auf die besondere Lebenssituation der berufsbegleitend Studierenden eingestellt und bieten eine kostenlose Verlängerung an. Die maximale Dauer der gebührenfreien Zusatzzeit ist jedoch sehr unterschiedlich und kann z. B. sechs, aber auch zwölf Monate oder mehr betragen.
Und wenn ich es nicht rechtzeitig schaffe?
Krankheit, Auslandsaufenthalt, berufliche Veränderungen, Umzug … Manchmal bringen es die Umstände mit sich, dass selbst die verlängerte Studienzeit nicht ausreicht. Auch in so einem Fall lässt sich oftmals eine Lösung finden, viele Anbieter von Fernstudiengängen sind kompromissbereit. Dies gilt auch für das Gegenteil: Wer gut bei der Sache ist, kann das Studium in gewissem Maße auch verkürzen. Dabei sind jedoch zwei Dinge zu berücksichtigen: Prüfungen sind an feste Termine gebunden, und die Lehrmaterialien für den nächsten Abschnitt werden zu bestimmten Zeitpunkten versendet. Doch selbst hier gibt es oft flexible Möglichkeiten ‒ sprechen Sie das Thema nur möglichst frühzeitig an.


