Berufsbegleitendes Studium während der Ausbildung


Das Abitur und das erste Ausbildungsjahr sind erfolgreich geschafft. Bei vielen Azubis kommt dann der Gedanke an ein berufsbegleitendes Studium während der Ausbildung auf. Darf ich das überhaupt? Schaffe ich das auch? Das sind nur zwei von vielen Fragen, die in Online-Foren immer wieder gestellt werden. Abendstudium oder Fernstudium während der Ausbildung – im Nachfolgenden geben wir einen Überblick über die Chancen und Risiken.

Risiken & Nachteile
Generell gilt auch hier natürlich, was immer bei einem berufsbegleitenden Studium zu bedenken ist: Ein Teilzeitstudium während der Ausbildung erfordert Disziplin, Durchhaltevermögen und auch eine gute Portion Leidensfähigkeit. Im Endeffekt wird man mit den unten beschriebenen Vorteilen belohnt, aber erstmal ist es harte Arbeit. Man sollte sich bewusst sein, dass Freizeit für einen bestimmten Zeitraum keinen großen Stellenwert mehr im Leben einnimmt. Tagsüber arbeiten und abends für Berufsschule und das Teilzeitstudium lernen – da sind 60-Stunden-Wochen angesagt.

Was man auch beachten sollte: Ein Abendstudium/Fernstudium während der Ausbildung ist etwas anderes als ein Studium neben dem „normalen“ Beruf. In der Ausbildungszeit wirst du zwei Lernbereiche gleichzeitig haben – einmal die Inhalte aus der Berufsschule und einmal die Inhalte der Studienfächer. Wenn man Pech hat und die Prüfungstermine fallen in einen eng beieinander liegenden Zeitraum, dann könnte es zu Schwierigkeiten mit der Kapazität der grauen Zellen kommen. Wenn man in verschiedenen Fächern Dinge auswendig lernen muss, kann das bei einer begrenzten Auffassungsgabe natürlich zu Problemen führen. Das wiederum würde dann schlechte Noten für Ausbildung und Studium bedeuten, was sicherlich der späteren Karriere auch nicht nur zuträglich ist.

Ein Studium neben der Ausbildung ist meistens nicht anmeldepflichtig, d.h. man kann es dem ausbildenden Betrieb verschweigen. Die Frage ist, ob dies sinnvoll ist, weil man evtl. für Präsenzveranstaltungen oder als Vorbereitung für Klausuren auch schon mal Urlaub nehmen muss. Wenn dann gerad eine Urlaubssperre ist und man keine Sondergenehmigung bekommt, wäre dies nicht gerade vorteilhaft. Und vielleicht kann man ja auch Unterstützung vom Arbeitgeber erhalten. Das Risiko ist aber natürlich auch, dass man umso argwöhnischer beobachtet wird, ob man denn trotz des Studiums neben der Ausbildung auch weiterhin seinen Arbeitsaufträgen nachkommt.


Chancen & Vorteile
Die sicherlich größte Chance, wenn man schon während der Ausbildung ein Teilzeitstudium absolviert, ist der hohe Wissensstand, den man nach erfolgreichem Abschluss beider Lernabschnitte erreicht hat. Sehr wahrscheinlich wird man zwar nicht mit Ende der Ausbildungszeit auch den akademischen Abschluss in der Tasche haben, aber der (zukünftige) Arbeitgeber wird den Aufwand und damit verbundenen Ehrgeiz sehr zu schätzen wissen. Viele Arbeitgeber honorieren erfolgreich beendete berufsbegleitende Studiengänge auch mit Gehaltserhöhungen – darauf muss man dann nicht mehr so lange warten, wenn man schon während der Ausbildung ein Teilzeitstudium begonnen und auch zielstrebig durchgezogen hat. Wer eine Ausbildung absolviert hat und nicht übernommen wurde, der hat mit einem berufsbegleitenden Studium zudem einen großen Vorteil gegenüber anderen ehemaligen Azubis. Der zukünftig erreichte akademische Grad kann durchaus den Unterschied machen, wenn es um den neuen Job geht.

Ein weiterer Vorteil ist, dass man bei thematisch passenden Studiengängen, die man berufsbegleitend während seiner Ausbildung absolviert, durchaus auch Überschneidungen bei den Lerninhalten geben kann. Unterricht bzw. Vorlesungen im Bereich Rechnungswesen beispielsweise. So kann der hohe Lernaufwand ein Stück weit gedämpft werden.

Hat man die Ausbildung nach der Schule direkt begonnen und dann auch zügig ein berufsbegleitendes Studium neben der Ausbildung durchgezogen, kann man schon mit Mitte 20 zwei abgeschlossene „Bildungsstationen“ vorweisen. Das schaffen nicht viele und bedeutet gute Voraussetzungen für eine erfolgreiche Karriere. Denn Praxiserfahrung durch die Ausbildung und akademisches/theoretisches Wissen durch das Studium kommen beim Arbeitgeber immer gut an.

Fazit: Wenn du davon überzeugt bist, dass du ein Abendstudium/Fernstudium während der Ausbildung schaffst, dann lass dich nicht von Pessimisten und negativen Stimmen davon abbringen. Es wird aber auf jeden Fall eine besondere Herausforderung, dessen solltest du dir bewusst sein. Viel Erfolg!